Träume in Europa
Schauspiel nach Wolfram Lotz
Wenn wir schlafen, beginnt die Reparaturarbeit der Seele. In Träumen sortiert unser Gehirn das Chaos des Alltags neu, löst Probleme und verwebt Emotionen zu einer täuschend echten Wirklichkeit. Dann sitzt man in einem Taxi, muss aber selbst fahren, das eigene MacBook wird plötzlich gewalttätig, man mutiert zu einem Gefährt mit vier Gummireifen und wird in einen Schuppen geschoben oder beobachtet ganz zufällig einen Regenbogenrekord über einem Maisfeld. In unseren Träumen zerbricht die gewohnte Logik der Welt und macht gänzlich neuen Realitäten Platz, in denen Körper mit Wänden verschmelzen können und die Gesetze der Physik ihre Gültigkeit verlieren. Wolfram Lotz hat Traumberichte aus europäischen Internetforen gesammelt und so hunderte Träume aus verschiedensten Sprachen in einer Textcollage zusammengeführt.
In Träume in Europa wohnen wir diesen produktiven Kurzschlüssen bei und blicken gemeinsam in das Unterbewusstsein einer vernetzten Welt. Es ist eine literarische Kartografie der europäischen Seele, die jenseits von Grenzen und Sprachen existiert. Denn sind wir uns in der Absurdität unserer Träume nicht alle am nächsten?
Ich fühlte mich ganz beruhigt, wie auf einer kleinen Wolke.